Theo Bockers


Name: Theo Bockers
Wohnort: Neersen
Alter: 91 Jahre
SPD-Mitglied seit 02. März 1967
Ortsverein Willich
Ämter/Mandate: 8 Jahre Ortsvereinsvorsitzender
Mitglied im Rat der Gemeinde Neersen
weitere Mitgliedschaften:
AWO-Mitglied seit 01. Januar 1968
18 Jahre Vorsitzender der AWO Neersen
6 Jahre Betriebsrat im Fernmeldeamt Krefeld
Auszeichnungen Bundesverdienstkreuz

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Warum bist Du in die SPD eingetreten?

Theo: Die Kollegen, die Mitarbeiter haben sich über den Zustand nach dem Krieg unterhalten. Wir lebten ja praktisch noch vom Krieg. Das war ja unsere Jugend. Und dann kam das auf von wegen Partei. Dann habe ich gesagt: „Passt mal auf Leute, ihr redet ja davon aber wer ist denn von euch in der Partei?“ Die Antworten waren: `Nee, kann ich mir nicht leisten -der Beitrag – und so weiter.. Und ich bin dann in die Partei eingetreten!

Wann bist Du Mitglied der SPD geworden?

Theo: Am 2.3.1967. (Das Parteibuch ist unterschrieben von Alwis Bechthold); Bei der Partei war ich auch Vorsitzender; ich glaube auch acht oder neun Jahre – ich weiß es nicht auswendig. Das war vor der Neugliederung, da war ich Vorsitzender der SPD hier.

Gab es zu diesem Zeitpunkt für Dich besondere Ereignisse oder besonders beeindruckende Persönlichkeiten in der SPD?

Theo: Dazu beigetragen hat damals Herbert Wehner. Er war hier in Neersen. Und ich habe ihn in der Mercatorhalle in Duisburg in einer Versammlung getroffen. Mich hatten sie auserkoren, als ganz junger Pimpf, die Versammlung zu eröffnen. Da saß der Wehner neben mir.

Welche Personen haben Dich als Sozialdemokrat nachhaltig geprägt?

Theo: Interessant war der Wehner; war der interessanteste den ich kennen gelernt habe. Als ehemaliges KPD-Mann. Das wurde ihm lange vorgehalten. Aber da ging der drüber weg. Ich fand den Mann schwer in Ordnung.

Welcher war für Dich der dunkelste und welcher der hellste Moment der Sozialdemokratie?

Theo: Der dunkelste war als NRW von der CDU übernommen wurde in den 60 er Jahren. Und jetzt freue ich mich, dass wir wieder oben sind.

Was schätzt Du bis heute an der SPD?

Theo: Das sie trotz ihrer Schwierigkeiten immer nah bei dem Bürger war; den Arbeitern und den kleinsten Arbeitern beizustehen in seinem Beruf, in seinem Umfeld und sich darum bemüht hat das Einkommen wenn eben geht so aufzubauen, dass er davon leben kann. Das ist das wichtigste, meine ich.

Was fehlt Dir bei der SPD?

Theo: Manchmal, wenn die CDU dann vorprescht, rührt sich die SPD gar nicht. Das dauert eine Weile, eine kleine Ewigkeit bevor die wach wird. Da ist die CDU schon ziemlich weit vorgedrungen und dann spurte die SPD hinterher. Meistens holen wir sie nicht ein. Es passiert auch schon mal, dass sie die CDU einholen. Soweit ich das überblicken kann ist das Trägheit, da kann ich keine Taktik drin sehen.

Was sind Deiner Meinung nach die größten Erfolge / Mißerfolge für die SPD?

Theo: Was soll ich dazu sagen! Als Erfolg unsere heute Währung nicht bezeichnen. Das ist auch nicht die Sache der SPD gewesen. Das die unter Helmut Schmidt und auch unter den andere SPD Kanzlern, vor allen Dingen ein Einvernehmen mit den Franzosen wieder hergestellt haben. Wir haben in der Schule gelernt, dass der Franzose unser Erzfeind ist. Das haben wir gelernt. Und ich war in französischer Gefangenschaft, ich habe da bestimmt Menschen kennen gelernt. Wir wären nie da raus gekommen, wenn die uns nicht geholfen hätten. Misserfolge: Wie heißt das? Das Schlechte vergisst man.

Was wünscht Du der SPD zum 150 igsten Geburtstag?

Theo: Das sie wieder wird, was sie war; zu 90% die Landesregierung übernimmt und selbstverständlich die Bundesregierung. Und das mit vernünftigen Menschen so wie Schmidt war. Solche Leute! Das würde ich mir wünschen. Und das sie dann auch in der Lage sind, wenn sie soweit sind, das sie dafür Sorge tragen können, dass die arbeitenden Menschen tatsächlich so viel verdienen, dass sie davon leben können. Und das vor allen Dingen auch für den Kindern eine bessere Möglichkeit zur Ausbildung gegeben wird, als uns gegeben wurde. Denn als Sohn eines Webers von Anrath kam man erst gar nicht auf die Realschule. Das war gar nicht machbar.

Was waren Deine persönlichen Aktivitäten / Erfolge in der politischen Arbeit?

Theo: Das wir unseren Ortsverband haben um einige Leute erweitern können und das wir auch sehr aktiv waren. Beispielsweise zu meiner Zeit war es, dass das Fernmeldeamt gegenüber der evangelischen Kirche erstellt wurde. Und da bekamen alle Leute neue Telefonnummern. Und da ich das wußte, habe ich das als Reklame genutzt. Alle Nummern von Ärzten und dies und das kannte ich ja. Die Anderen kannten die ja nicht. Wir haben die Nummern zusammengetragen und später auch rundgetragen. Die hat damals der Enger, CDU, für mich gemacht. Die haben wir dann in ganz Neersen verteilt.

Hast Du von anderen Sozialdemokraten Berichte aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 gehört oder gelesen?

Theo: Nein. Ich war ja gar nicht da.

Hast Du noch alte Unterlagen der SPD, wie Broschüren, Abzeichen, Parteibücher?

Theo: Ja. Mein Mitgliedsbuch von der SPD und von der AWO.

Mit welchen befreundeten Organisationen der Sozialdemokratie hattest Du zu tun, bzw. bist Mitglied derselben?

Theo: Seit dem 1.1.1968 bin ich Mitlgied bei der AWO. Da war ich 18 Jahre Vorsitzender von Neersen und ein oder zwei Jahre im Kreisvorstand.

Warst oder bist Du in anderen Organisationen ehrenamtlich engagiert?

Theo: Innerhalb des Amtes war ich Betriebsrat, sechs oder sieben Jahre lang.

Dürfen wir das Interview, nach Vorlage, weiterverwenden?

Theo: Aber selbstverständlich.

Herzlichen Dank für Deine Zeit und vor allem für das Gespräch, in dem Du uns Einblicke in Deine SPD gewährt hast.